Lidstraffung oder Schlupflider entfernen: Wo liegt der Unterschied?

„Ich habe Schlupf­li­der, brau­che ich eine Lid­s­traf­fung?“ Eine Fra­ge, die wir in die­ser Art regel­mäs­sig hören. Der Begriff “Schlupf­li­der ent­fer­nen“ ist umgangs­sprach­lich weit ver­brei­tet, medi­zi­nisch aber unge­nau. Kor­rekt spricht man von einer Ble­phar­oplas­tik, also einer ope­ra­ti­ven Lid­kor­rek­tur. Doch ganz so ein­fach ist es nicht: Nicht jedes schwe­re Ober­lid ist ein klas­si­sches Schlupf­lid, und nicht jede Lid­s­traf­fung betrifft nur über­schüs­si­ge Haut.

 

Was sind Schlupflider?

Als Schlupf­li­der bezeich­nen wir einen Haut­über­schuss am Ober­lid, der die natür­li­che Lid­fal­te teil­wei­se oder voll­stän­dig über­deckt. Die Ursa­chen sind viel­fäl­tig: Elas­ti­zi­täts­ver­lust der Haut, Ver­la­ge­rung von Fett­ge­we­be, eine abge­sun­ke­ne Augen­braue oder schlicht gene­ti­sche Ver­an­la­gung. Mit zuneh­men­dem Haut­über­schuss kann der Aus­druck müde wir­ken. In aus­ge­präg­ten Fäl­len schränkt das Lid sogar das Gesichts­feld ein.

Wich­tig zu ver­ste­hen: Fett­pols­ter rund ums Auge sind grund­sätz­lich sinn­voll. Sie schüt­zen das Auge. Pro­ble­ma­tisch wird es erst, wenn Volu­men und Haut­struk­tur nicht mehr har­mo­nisch zusammenpassen.

 

Was bedeutet Lidstraffung (Blepharoplastik)?

Ble­phar­oplas­tik ist der medi­zi­ni­sche Ober­be­griff für ope­ra­ti­ve Kor­rek­tu­ren am Ober- oder Unter­lid. Ein­grif­fe, mit denen wir über­schüs­si­ge Haut ent­fer­nen, Fett­ge­we­be redu­zie­ren oder umver­tei­len und fei­ne Mus­kel­struk­tu­ren straf­fen können.

Die Ober­lid­s­traf­fung erfolgt ent­lang der natür­li­chen Lid­fal­te, die Nar­be ist spä­ter kaum sicht­bar. Beim Unter­lid erfolgt der Schnitt ent­we­der knapp unter­halb des Wim­pern­kran­zes oder, wenn aus­schliess­lich Fett­pols­ter kor­ri­giert wer­den, von innen (trans­kon­junk­ti­val). Der Ein­griff erfolgt ambu­lant in ört­li­cher Betäu­bung und dau­ert etwa eine Stunde.

 

Also: Gibt es überhaupt einen Unterschied?

Kurz gesagt: „Schlupf­li­der ent­fer­nen“ ist eine Form der Lid­s­traf­fung. Der Unter­schied liegt weni­ger im Ver­fah­ren als in der Ausgangssituation.

Schlupf­li­der: Der Begriff wird umgangs­sprach­lich ver­wen­det, ist meist ästhe­tisch ori­en­tiert und betrifft pri­mär die Haut.

Lid­s­traf­fung: Es geht um ästhe­ti­sche und funk­tio­nel­le Ver­bes­se­run­gen. Betrof­fen sind die Haut, das Fett­ge­we­be und die Muskulatur.

In vie­len Fäl­len decken sich bei­de Begrif­fe. Wer „Schlupf­li­der ent­fer­nen“ sagt, meint meist eine Ober­lid­s­traf­fung. Manch­mal liegt die eigent­li­che Ursa­che aber woanders.

 

Wenn nicht das Lid das eigentliche Problem ist

Nicht sel­ten ist die abge­sun­ke­ne Augen­braue mit­ver­ant­wort­lich. Sinkt die Braue ab, drückt sie die Haut nach unten. Das Ober­lid wirkt schwer oder über­hän­gend, auch wenn die Lid­haut an sich noch aus­rei­chend straff ist.

In sol­chen Fäl­len reicht es nicht, nur Haut am Ober­lid zu ent­fer­nen. Sinn­vol­ler kann das sanf­te Anhe­ben der Braue (Brau­en­lift) sein oder eine Kom­bi­na­ti­on bei­der Ver­fah­ren. Eine sorg­fäl­ti­ge ana­to­mi­sche Ana­ly­se steht auch aus die­sem Grund vor jeder Entscheidung.

 

Oberlid und Unterlid, zwei unterschiedliche Fragestellungen

Beim Ober­lid geht es meist um Haut­über­schuss. Beim Unter­lid ste­hen häu­fig Trä­nen­sä­cke im Vor­der­grund, ent­stan­den durch Vor­wöl­bung von Fett­ge­we­be, erschlaff­te Lid­haut oder Volu­men­ver­lust im Mittelgesicht.

Hier reicht es nicht, ein­fach Haut zu ent­fer­nen. Wird zu viel Gewe­be abge­tra­gen, wirkt das Ergeb­nis unnatürlich.

 

Sind Unterspritzungen eine Alternative?

Hyalu­ron-Fil­ler eig­nen sich nicht oder nur sehr sel­ten für den sen­si­blen Augen­be­reich. Beson­ders am Unter­lid kann es zu Schwel­lun­gen oder sicht­ba­ren Unre­gel­mäs­sig­kei­ten kom­men. Neben­wir­kun­gen wie Lymph­stau­un­gen sind mög­lich. Mini­mal­in­va­si­ve Ver­fah­ren wie Laser oder Radio­fre­quenz kön­nen in eini­gen Fäl­len die Haut leicht straf­fen, eine deut­li­che und ope­ra­ti­ve Kor­rek­tur erset­zen sie nicht.

 

Warum liegen Lidstraffungen aktuell “im Trend”?

Video­kon­fe­ren­zen len­ken den Blick stär­ker als zuvor auf die Augen­par­tie. Social Media zeigt in Mas­sen gefil­ter­te Gesich­ter, die kaum noch altern. Män­ner und Frau­en inter­es­sie­ren sich zuneh­mend für Lid­kor­rek­tu­ren. Ein wei­te­rer Grund: Auch funk­tio­nel­le Ein­schrän­kun­gen, zum Bei­spiel ein ein­ge­schränk­tes Gesichts­feld, wer­den bewuss­ter wahrgenommen.

Sta­tis­tisch erfol­gen rund 85 % der Lid­kor­rek­tu­ren aus ästhe­ti­schen, etwa 15 % aus medi­zi­ni­schen Grün­den. Bei­des sind legi­ti­me Aus­gangs­punk­te, erfor­dern aber eine ehr­li­che Auf­klä­rung und ein rea­lis­ti­sches Ein­schät­zen von Mög­lich­kei­ten und Risiken.

 

Was Sie vor einer Entscheidung wissen sollten

Eine Lid­kor­rek­tur ist ein frei­wil­li­ger Ein­griff und soll­te es blei­ben. Das Bera­tungs­ge­spräch in der Swiss Der­ma Cli­nic dau­ert rund 45 Minu­ten. Wir erklä­ren ana­to­mi­sche Zusam­men­hän­ge, zei­gen rea­lis­ti­sche Mög­lich­kei­ten und Gren­zen auf und fra­gen Erwar­tun­gen offen nach. Manch­mal bedeu­tet gute Medi­zin auch, von einem Ein­griff abzuraten.

Die Hei­lungs­pha­se erfor­dert Geduld: Nach zwei bis drei Wochen sind die meis­ten Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten wie­der gesell­schafts­fä­hig. Das end­gül­ti­ge Ergeb­nis zeigt sich erst nach meh­re­ren Monaten.

 

FAQ

Wird eine Lid­s­traf­fung in der Schweiz von der Grund­ver­si­che­rung übernommen?

Nur unter einer Bedin­gung: wenn eine nach­weis­ba­re funk­tio­nel­le Ein­schrän­kung vor­liegt, wie eine deut­li­che Ein­engung des Gesichts­fel­des. In die­sem Fall ver­langt die obli­ga­to­ri­sche Kran­ken­pfle­ge­ver­si­che­rung (OKP) in der Regel eine augen­ärzt­li­che Unter­su­chung mit Gesichts­feld­mes­sung als Grund­la­ge. Rein ästhe­ti­sche Ein­grif­fe wer­den nicht über­nom­men und sind Selbst­zah­ler­leis­tun­gen.

 

Kann sich die Augen­form nach einer Lid­s­traf­fung verändern?

Das Ziel einer fach­ge­recht durch­ge­führ­ten Ble­phar­oplas­tik ist das Wie­der­her­stel­len einer kla­ren Lid­kon­tur, kei­ne Ver­än­de­rung der Augen­form. Wird zu viel Haut oder Fett ent­fernt, kann das Auge jedoch unna­tür­lich wir­ken oder hohl erschei­nen. Moder­ne Lid­chir­ur­gie ist des­halb gewe­be­scho­nend. Weni­ger ist hier häu­fig mehr.

 

Ab wel­chem Alter ist eine Lid­s­traf­fung sinnvoll?

Es gibt kein fes­tes Min­dest­al­ter. Man­che Men­schen ent­wi­ckeln gene­tisch bedingt bereits mit 30 aus­ge­präg­te Schlupf­li­der, ande­re erst deut­lich spä­ter. Was zählt, ist der Befund: Haut­qua­li­tät, Gewe­be­struk­tur und die per­sön­li­che Beeinträchtigung.

 

Wann kann ich nach dem Ein­griff wie­der arbei­ten und Sport treiben?

Leich­te All­tags­ak­ti­vi­tä­ten sind meist nach weni­gen Tagen mög­lich. Kör­per­li­che Anstren­gung, inten­si­ver Sport, Sau­na oder star­ke Son­nen­ein­strah­lung soll­ten für etwa zwei bis drei Wochen ver­mie­den wer­den. Die genau­en Emp­feh­lun­gen bespre­chen wir im Rah­men der Nach­sor­ge. Die­se hän­gen vom indi­vi­du­el­len Hei­lungs­ver­lauf ab.

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Über den Autor

Dr. Chianese verbindet exzellente chirurgische Expertise mit einem klaren ästhetischen Verständnis und einer ausgeprägt empathischen, zugewandten Art. Seine Patientinnen und Patienten schätzen besonders seine ruhige, sympathische Ausstrahlung, sein aufmerksames Zuhören und die Fähigkeit, individuelle Wünsche ernst zu nehmen und verständlich zu begleiten.
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